Mittwoch, 18. Oktober 2017

Industrie 4.0 – Arbeit 4.0 / Digitalisierung – Digitale Transformation (Teil 2)


Beitrag
Rolf Wimmer, Auditor der berufundfamilie Service GmbH

Weitere impulsgebende Fragen zur Digitalisierung bzw. digitalen Transformation gefällig? Lesen Sie den 2. Teil des Blogbeitrags von Rolf Wimmer.


Von der digitalen Transformation zur digitalen Unternehmenskultur (© Death to Stock)

5. Welche Rolle spielt mein Personal?


Das Personal spielt für digitale Unternehmen eine noch größere Rolle als für traditionelle Unternehmen. Starre Strukturen und eingefahrene Wege sind für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und innovativer Produkte nicht gerade förderlich. Für die MitarbeiterInnen bedeutet dies, sich in formal weniger ausgeprägten und weniger differenzierten Strukturen zu bewegen - und damit auf die (scheinbare) Sicherheit dieser Strukturen zu verzichten.

Oftmals werden diese sich ergebenden Räume durch informelle Strukturen besetzt. Diese wiederum erschweren im Ergebnis die Nutzung der Potenziale ALLER MitarbeiterInnen. Ein Erfolgsfaktor ist deshalb eine Kultur, in der die kreativen Potenziale ALLER MitarbeiterInnen aktiviert und für die verschiedenen Zwecke nutzbar gemacht werden können. Dies ist nicht mit „Gleichheit der Mitarbeiter“ zu verwechseln, eher einer Gleichheit bezüglich der Chancen und Möglichkeiten, sich einzubringen.

Für die Arbeitgeber wird damit im Innenverhältnis eine offene Unternehmenskultur immer wichtiger – um Beschäftigten Freiräume zu geben und eine Profilierung als attraktiver Arbeitgeber im Außenverhältnis zu erreichen. Damit können wertvolle und wichtige Mitarbeiter gehalten und Neue dazugewonnen werden.

6. Wie werde ich ein attraktiver Arbeitgeber?


Zur Identifizierung von Marktchancen und für die Entwicklung und Umsetzung von neuen Geschäftsmodellen müssen MitarbeiterInnen mit einem Persönlichkeitsprofil, das Entrepreneurship und die Kompetenz eines „Digital Natives“ verbindet, gewonnen oder dahingehend entwickelt werden.

Diese der Digitalisierungsentwicklung aufgeschlossenen MitarbeiterInnen zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass sie unabhängig sein und Verantwortung übernehmen möchten. Das (gerne auch erfolgsabhängige) Gehalt „muss stimmen“. Gleichzeitig werden herausfordernde Aufgaben, ein inspirierendes und ansprechendes Umfeld erwartet.

Ein potenzieller Arbeitgeber sollte sich auch durch passende Rahmenbedingungen, Ressourcen und ein professionelles und adäquates Team auszeichnen. Formale Hierarchien und starre Organisationsformen werden oftmals als hinderlich empfunden.

Bevorzugt werden moderne Methoden zur Entwicklung von Geschäftsmodellen und Strategien, zeitgemäße Organisationsformen und Bewertungssysteme. Die konventionellen/ jährlichen Zielvereinbarungssysteme stehen momentan verstärkt auf dem Prüfstand und werden zunehmend durch kontinuierliche Führung und intensivere Coachingaktivitäten durch den Vorgesetzten ersetzt.

Gleichzeitig müssen bei den unterschiedlichen Generationen von Entrepreneuren auch die persönlichen und familiären Belange entsprechend der jeweiligen Lebensphasen berücksichtigt werden.

Damit sind gute Argumente erforderlich, um derartige MitarbeiterInnen gerade für sein Unternehmen zu begeistern und zu gewinnen, da diese mit ihren Ideen und Visionen in der Regel gerade für neu in den Markt eintretende Unternehmen sehr interessant sind.

Die Erwartungen und besonderen Verhaltensweisen dieser Klientel werden plastisch in einem Recruiting-Video der Axel Springer AG dargestellt:

Axel Springer – MediaEntrepreneur: „Executive Managing Director for
Kick-Ass 3D-Multi-ChannelHammer-Innovations (m/f) gesucht"

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ZEf8D0MCfkA)

7. Wie kann ich Mitarbeiter an mein Unternehmen binden?


Kicker, Tischtennisplatten, Kaffeeautomaten statt Kaffeekasse, Obstkörbe, Wellnessprogramme, … sicherlich „angesagt“, aber nicht immer hinreichend. Großraumbüro versus Einzelbüro oder Homeoffice, feste versus flexible Arbeitszeiten, Webmeetings statt Präsenzmeetings, Casual versus Anzug. Auch diese Aspekte können auf Mitarbeiter anziehend wirken, aber sicherlich nur, wenn sich ein konsistentes Gesamtbild ergibt und die einzelnen Elemente nicht beliebig zusammengestellt und unzusammenhängend wirken.

Langfristig lassen sich MitarbeiterInnen nur begeistern und binden, wenn sie sich in den für sie interessanten Feldern und Aufgaben und in einem passenden Umfeld bewegen, in dem die unterschiedlichen beruflichen und privaten Anforderungen vereinbar sind.

Für das Unternehmen sollte es daher nicht darum gehen, eine beliebige Anzahl von „standardisierten Umfeldern“ bereitzustellen. Vielmehr ist es wichtig, flexible Rahmenbedingungen bereit zu halten und bereit zu sein, diese dynamisch und individuell anzupassen. Diese sollten von den Mitarbeitern je nach Bedarf entsprechend der beruflichen und privaten Situation gestaltet und genutzt werden können.

Im Ergebnis entsteht so ein flexibleres Unternehmen Umfeld mit höherer Diversität. Diese wiederum fördert die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Entwicklung von innovativen Ansätzen.

8. Wie unterstützt berufundfamilie die digitale Transformation?


Die Aktivitäten der berufundfamilie setzen genau hier an. Ziel ist, dass für die verschiedenen Interessensgruppen und Profile von MitarbeiterInnen jeweils passende Organisationsformen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, welche die individuelle Entfaltung der MitarbeiterInnen und gleichzeitig die Ziele der Organisation unterstützen.

Die berufundfamilie kann dabei auf professionelle Methoden und langjährige Erfahrungen zurückgreifen, welche individuell gestaltet und implementiert werden können.

Im Ergebnis schafft der Arbeitgeber in den relevanten Aspekten attraktive, flexible und dynamisch gestaltbare und gleichzeitig verlässliche Rahmenbedingungen. Diese sich dynamisch verändernden Rahmenbedingungen und die Bereitschaft des Arbeitgebers zur permanenten Weiterentwicklung werden durch das audit berufundfamilie transparent gemacht, validiert und kommuniziert.

Insofern ist die berufundfamilie ein relevanter Baustein und ein verlässlicher Partner zur Entwicklung einer digitalen Unternehmenskultur. Wir laden Sie ein, diese Potenziale in einem ersten Gespräch auch für Ihr Unternehmen kennen zu lernen und gemeinsam zu erschließen.




Auditor Rolf Wimmer
(©privat)

Rolf Wimmer ist international als Executive-Manager und Consultant in technologie- und mobilitätsbasierten Konzernen, Beratungsunternehmen und Startups sowie als Auditor der berufundfamilie Service GmbH tätig.

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Entwicklung von zukunftsorientierten Geschäftsmodellen, Technologien und die Vernetzung von internationalen Partnern. Er erschließt dazu besonders die Chancen und Herausforderungen von dynamischen Märkten.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gilt dabei für ihn als eine der Voraussetzungen für den nachhaltigen Geschäftserfolg und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Team.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Industrie 4.0 – Arbeit 4.0 / Digitalisierung – Digitale Transformation (Teil 1)




Beitrag
Rolf Wimmer, Auditor der berufundfamilie Service GmbH


Digitale Transformation – mehr als der Einsatz
von Tablets (© Death to Stock)

1. Digitalisierung – Chance oder Risiko?


Auf dem Radar von Unternehmen erscheinen zunehmend Themen wie „Digitalisierung“, „Industrie 4.0“, „Digitale Transformation“ und „Arbeit 4.0“.

Phasen intensiven technischen Wandels sind insbesondere für etablierte Unternehmen mit existenziellen Chancen und Risiken verbunden. Die durchschnittliche Lebensdauer von Unternehmen verkürzt sich. Wer nicht mit der Zeit geht, muss oftmals mit der Zeit gehen…


Welche Herausforderungen bringt diese Dynamik mit sich für Entscheider, Mitarbeiter und Führungskräfte? Wie kann das Unternehmen auf die Zukunft vorbereitet werden?

 

 


Abbildung 1: Die Lebensdauer von Unternehmen sinkt
(Quelle: http://www.wallstreetdaily.com/2014/01/31/creative-destruction-sp/)

2. Die Digitalisierung ermöglicht neue Geschäftsmodelle – und macht in vielen Fällen neue Geschäftsmodelle erforderlich


Die zunehmenden technischen Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung durchdringen die einzelnen Branchen auf sehr unterschiedliche Weise.

Insbesondere aktuelle Marktführer optimieren oftmals ihre Prozesse und Produkte auf Basis der bestehenden Technologien mittels kontinuierlicher Verbesserungsprozessen oder Best-Practice Ansätze. Sie erleben dann, dass Wettbewerber aus unerwarteter Richtung in den Markt eintreten. Diese neu in den Markt eintretenden Innovatoren operieren „auf der grünen Wiese“ und nutzen sehr konsequent alle Möglichkeiten, aktuelle Markt- und Kundendaten zu gewinnen. Daraus entwickeln sie dann passgenaue digitale Technologien und Geschäftsmodelle und schaffen so den für den Kunden signifikanten Mehrwert. Jahrzehntelang bestehende Technologien und Geschäftsmodelle können damit gänzlich vom Markt verdrängt werden.


Ein besonderes Risiko stellt dabei der Verlust der Schnittstellen zum Kunden dar. So platzieren sich global tätige Plattform-Unternehmen und Vermittlungs-Plattformen gerne zwischen Kunden und Anbieter und bestimmen dann die Geschäftsbedingungen. Die jahrelang aufgebaute direkte Kundenbeziehung kann innerhalb von wenigen Monaten verloren gehen.


Daher müssen Unternehmen bzw. jedes Geschäftsfeld für sich individuelle Digitalisierungs-Strategien entwickeln und somit prüfen, welche Chancen, Risiken und besondere Herausforderungen die Digitalisierung mit sich bringt und welche Geschäftsmodelle zukünftig die Passenden sind.


3. Wie kann ich die Angreifbarkeit meiner Geschäftsmodelle prüfen?


Ein erster interessanter Ansatz ist, die vorhandenen Geschäftsmodelle angreifen zu lassen, z.B. durch ein Team, bestehend aus internen Mitarbeitern und externen Experten (Zukunftsforscher, Innovationsmanager, Digitalisierungs-Experten, Technologie-Dienstleistern, Markt-Kennern, etc.).


Die Kernfrage für das Unternehmen ist dabei: „Aus welcher Richtung können Wettbewerber mit hoher Digitalisierungskompetenz meine Geschäftsmodelle attackieren?“ oder „Was müsste ich tun, um der stärkste Wettbewerber meines Unternehmens / Arbeitgebers zu werden?“ Wichtig ist, zunächst sehr offen auch scheinbar unrealistische Ansätze aufzunehmen und nicht zu früh auszusortieren.


Aus diesen Ansätzen ergeben sich dann mögliche Strategien potenzieller (oft branchefremder) Wettbewerber.


In einem nächsten Schritt ist dann festzulegen, ob neues Geschäft aufzubauen ist (Startup Development) oder die bestehenden Geschäftsmodelle und Strukturen im Rahmen einer Transformation weiterentwickelt werden sollen. Natürlich können diese beiden Basis-Strategien auch parallel verfolgt werden.


4. Wie kann ich mein Unternehmen transformieren?


Digitale Transformation bedeutet, dass ein Unternehmen grundlegend und proaktiv auf die Chancen und Risiken der Digitalisierung vorbereitet und ausgerichtet wird.


Die Voraussetzungen hierfür sind konsequente Kunden- und Nutzenorientierung sowie Cross- und Multichannel-Strategien zur ganzheitliche Kundenkommunikation.

Die damit einhergehende Dynamisierung und die notwendige Flexibilität kann schneller erreicht werden, wenn verstärkt Partnerschaften und Wertschöpfungsnetzwerke aufgebaut werden.


Weitere Aufgaben sind in Regel die Neugestaltung der Prozesse und die Einführung von digitalen Technologien wie z.B. Big Data, Social Media Tools, Cloud, Multi-Devices, Internet of Things, Robotics, …).

Ein relevanter Erfolgsfaktor ist in diesem anspruchsvollen Umfeld die Implementierung einer passenden Unternehmenskultur und die Einführung von flexiblen und zeitgemäßen Organisationsformen.

Das digitale Unternehmen ist dabei kein Zielzustand. Es entsteht vielmehr eine neue digitale Organisation, die permanent innovativ und wandlungsfähig ist. Hier geht es nicht nur um eine neue Homepage, Apps oder digitale Services. Digitale Transformation bezieht sich auf Organisation, Kultur und Teamentwicklung – mithin sämtliche Geschäftsaktivitäten.


Es hat sich bewährt, eine Einheit (Innovation Lab, Digital Unit, Community Workspaces, …) außerhalb vorhandenen Organisation und Strukturen zu etablieren, so dass der notwendige Freiraum für innovative, digitale und agile Arbeitsweisen entstehen kann.


Eine Aufgabe dieser Einheiten ist die schnelle Entwicklung von Prototypen, welche für die Zielgruppen einen ersten Mehrwert bieten und dann in Interaktion mit den Kunden (Co-Innovation) weiterentwickelt, verworfen oder modifiziert werden. Wichtig ist, bereits in frühen Produktentwicklungsphasen die Reaktionen der Zielgruppen zu erkennen und frühzeitig die Potenziale der Geschäftsmodelle zu erfassen.


Darüber hinaus wird in diesen Einheiten das digitale Methodenwissen vermittelt. Kreativprozesse, wie z.B. der Ansatz des Design Thinking, können dabei eine gute Basis darstellen, um iterativ Zielgruppen und Kundenbedürfnisse zu identifizieren und kundenzentrierte Geschäftsmodelle zu entwickeln.


Die MitarbeiterInnen arbeiten dabei wie Entrepreneure oder Startup-Unternehmer mit innovativen Methoden, die Bewährtes gänzlich in Frage stellen und stellen für eine konventionelle Organisation oft eine Herausforderung dar. Aus diesem Grund werden in diesen Einheiten oftmals auch neue Organisations- und Arbeitsformen entwickelt und pilotiert.


Die Implementierung derartiger Digital Units/ Labs erfordert den starken und eindeutigen Rückhalt durch die Unternehmensleitung, da die Skalierung der neuen, digitalen Geschäftsmodelle und Praktiken letztendlich Auswirkungen auf das gesamte Unternehmen haben.


Digitale Transformation bedeutet daher nicht nur die Implementierung von neuen Technologien und Prozessen, sondern in hohem Maße auch Veränderungen bei den Mitarbeitern und in der Personalarbeit.




Auditor Rolf Wimmer
(©privat)
Rolf Wimmer ist international als Executive-Manager und Consultant in technologie- und mobilitätsbasierten Konzernen, Beratungsunternehmen und Startups sowie als Auditor der berufundfamilie Service GmbH tätig.

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Entwicklung von zukunftsorientierten Geschäftsmodellen, Technologien und die Vernetzung von internationalen Partnern. Er erschließt dazu besonders die Chancen und Herausforderungen von dynamischen Märkten. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gilt dabei für ihn als eine der Voraussetzungen für den nachhaltigen Geschäftserfolg und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Team.







Der 2. Teil des Blogbeitrags „Industrie 4.0 – Arbeit 4.0/ Digitalisierung – Digitale Transformation“ von Rolf Wimmer wird sich mit Fragen zur Rolle des Personals, der Arbeitgeberattraktivität, der Bindung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie zur Unterstützung der digitalen Transformation durch die berufundfamilie beschäftigen. Der Artikel erscheint am 18. Oktober 2017.