Donnerstag, 28. Juli 2016

Impulsgebender Austausch: Familienfreundliche Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern



Arbeitgeber aus Mecklenburg-Vorpommern zu Besuch
bei der Drinkuth AG (©Meck-SN/ Invest-SWM)
Am 14. Juli 2016 trafen sich auf Einladung des Regionalmarketings Mecklenburg-Schwerin und der Wirtschaftsförder-ungsgesellschaft Südwestmecklenburg Vertreter zahlreicher Unternehmen und Institutionen der Region bei der Boizenburger Firma Drinkuth AG zum Thema „Familienfreundliches Unternehmen“.

Arbeitgeberattraktivität durch Familienbewusstsein

„Familienfreundlichkeit“ wird nach Aussage vieler Teilnehmer immer mehr zum Thema in Einstellungs- und Personalgesprächen. Die Arbeitgeberattraktivität hängt daher ganz entscheidend davon ab, wie umfangreich sich die Unternehmen dieses Themas annehmen. „Mit der Steigerung der Familienfreundlichkeit tun die Unternehmen auch gleichzeitig sehr viel für die Attraktivität der Region, was letztlich zu neuen Investitionen führen wird“, erklärt Anett Hartmann vom Regionalmarketing Mecklenburg-Schwerin.

Gesprächsbedarf: Bedeutung von Familienbewusstsein wächst
(©Meck-SN/ Invest-SWM)
Auch Berit Steinberg von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Südwestmecklenburg ist der Meinung, dass die Firmen in der Region schon viel für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie tun. Die Firma Drinkuth AG bietet zum Beispiel für Eltern mit Kindern unter ihren 230 Mitarbeitern Teilzeitarbeit und in der Verwaltung Gleitzeit an sowie Zuschüsse für die Kinderbetreuung. Sogenannte „Mutti-Schichten“ werden von der Firma Berschneider GmbH eingesetzt und auch die Reformkontor GmbH kann auf eine Reihe sehr interessanter Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie verweisen.

audit berufundfamilie: Strategisch und individuell zu Familienbewusstsein 

Um dem gesteigerten Interesse der Unternehmen entgegen zu kommen, hat die berufundfamilie Service GmbH im Frühling 2016 mit Dr. Stefan Birk einen Experten für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben als Auditor direkt nach Mecklenburg-Vorpommern geholt. Stefan Birk steht Unternehmen der Region als aktiver Berater und Partner bei der Durchführung des audit berufundfamilie zur Seite. Das audit unterstützt als strategisches Managementinstrument Arbeitgeber darin, die familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik passgenau auf den Betrieb zuzuschneiden und nachhaltig zu gestalten. Nach einer erfolgreichen Auditierung tragen die Arbeitgeber für drei Jahre das Zertifikat zum audit berufundfamilie. Auf diese Weise können die Unternehmen auch überregional Aufmerksamkeit bei den so dringend gesuchten Fachkräften erzeugen.

Dienstag, 26. Juli 2016

Vereinbarkeit in Zahlen: Von A wie Arbeitsbelastung bis Z wie Zuverdienst



Zahlen, Daten und Fakten rund um die vielfältige Arbeitswelt (©berufundfamilie gGmbH)


Arbeitsbelastung

80 % der Beschäftigten empfinden mindestens eine Arbeitsbedingung als belastend: Termindruck/ Multitasking (60 %), Informationsflut (30 %), körperliche Anstrengung oder unangenehme Umgebungsbedingungen (40 %) wie Hitze, Kälte oder Lärm.

Da Beschäftigte bei Angeboten zum Gesundheitsschutz, Qualifizierungsangeboten oder regelmäßigen Mitarbeitergesprächen zufriedener und engagierter sind sowie seltener über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken, bieten 80 % der Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen an.

Linked Personnel Panel (LPP) in Verbindung mit dem IAB-Betriebspanel, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2016
http://doku.iab.de/kurzber/2016/kb1616.pdf



Überstunden

3,21 Überstunden leisten Beschäftigte durchschnittlich pro Woche in Deutschland.

Führungskräfte und hoch qualifizierte Fachkräfte mit einem Einkommen von mehr als 120.000 Euro pro Jahr legen drauf: Sie arbeiteten fast 10 Stunden pro Woche zusätzlich.

Arbeitszeitmonitor 2016, Compensation Partner, Mai 2016
https://www.compensation-partner.de/images/content/mitteilungen/arbeitszeitmonitor2016-mitteilung.pdf



Junge Frauen

Nur 10% der jungen Frauen sieht die Gleichstellung von Männern und Frauen voll und ganz realisiert.

Junge Frauen beklagen zudem eine mangelnde Familienbewusstsein: Hinsichtlich der Arbeitszeiten wünschen sie sich mehr Flexibilität: Die ideale Arbeitszeit der jungen Frauen ab 30 Jahren liegt zwischen 30 und 35 Wochenstunden.

„Was junge Frauen wollen“, Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2016
http://library.fes.de/pdf-files/dialog/12633.pdf



Vorstandsfrauen

Lediglich in 23 % der börsennotierten Unternehmen sitzt wenigstens eine Frau im Vorstand. 43 Frauen stehen in den 160 Dax-, MDax-, SDax- und TecDax-Vorständen 627 Männern gegenüber. Nur knapp 4 % bringen es auf zwei Frauen im Vorstand – das sind 6 DAX-Unternehmen.

Mixed Leadership Barometer 2016, Ernest & Young, Juli 2016
http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-Mixed-Leadership-Barometer-Juli-2016/$FILE/EY-Mixed-Leadership-Barometer-Juli-2016.pdf

Kindertagesbetreuung

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen oder in der öffentlichen Kindertagespflege ist von 2015 auf 2016 um 3,7 % (auf 721.000) Kinder gestiegen.

85,1 % der Eltern nutzen derzeit die Tagesbetreuung in Einrichtungen.

„Kindertagesbetreuung“, Statistisches Bundesamt, Juli 2016
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/07/PD16_256_225.html


Zuverdienst

Der Anteil der erwerbstätigen Menschen zwischen 55 und 64 Jahren liegt in Deutschland aktuell bei 66 %. Bei den über 65-Jährigen sind 6 % noch erwerbstätig – mit steigender Tendenz. Für 61 % von ihnen ist das Einkommen ein Zuverdienst zur Rente oder dem Vermögen.

51% der ab 65-Jährigen investiert mindestens 3 Stunden pro Woche in ein gesellschaftliches Engagement – so viel Zeit wie keine andere Altersgruppe.

„Ältere Menschen in Deutschland und der EU“, Statistisches Bundesamt, Juli 2016
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/BlickpunktAeltereMenschen1021221119004.pdf?__blob=publicationFile
http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Aeltere-Menschen-Deutschland-EU,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf


Donnerstag, 21. Juli 2016

Endlich Ferien!: Wie auch erwerbstätige Eltern Hurra schreien


Ferienzeit – wunderbar! Lange Schließzeiten von Kitas und anderen Betreuungseinrichtungen – nicht gut! Erwerbstätige Eltern brauchen bei der Kinderbetreuung insbesondere in den Schulferien Unterstützung vom Arbeitgeber. Dadurch, dass Beginn und Ende der Ferien frühzeitig bekannt sind, lassen sich Maßnahmen zur Ferienbetreuung langfristig und ggf. mit der entsprechend beschränkten Laufzeit planen

Wir skizzieren hier, wie die betrieblich unterstützte Ferienbetreuung schrittweise angegangen und umgesetzt werden kann.

Ferienbetreuung, die mit den Bedarfen erwerbstätiger Eltern Schritt hält (©berufundfamilie, Marcel Coker)

Was bringt betrieblich unterstützte Ferienbetreuung? 

Wissen Eltern ihre Kinder gut versorgt, dann können sich Beschäftigte besser auf ihre Arbeit konzentrieren. Diese einfache Faustregel bringt den Nutzen der betrieblich unterstützen Ferienbetreuung auf den Punkt. Familien gewinnen zudem an qualitativer Zeit, wenn die Elternteile dank der Angebote des Arbeitgebers nicht abwechselnd Urlaub nehmen müssen, um die Betreuung der Kinder sicherzustellen. Beschäftig­te können daraus mehr Zufriedenheit und Motivation gewinnen. Diese Effekte überwiegen in der Regel die Investitionen in die betrieblichen Maßnahmen zur Ferienbetreuung, die – wie zahlreiche Beispiele aus der Praxis aufzeigen – zudem nicht teuer oder aufwendig sein müssen.

Was sollte bei der Planung der Ferienbetreuung bedacht werden? 

Ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Ferienbetreuung setzt sich aus verlässlichen Angeboten und aus Lösungen zusammen, mit denen flexibel und kurzfristig auf im Alltag eintretende Situationen kurzfristig reagiert werden kann.

Um zu entscheiden, welche Formen der Maßnahmen benötigt werden, ist zunächst eine Bedarfsanalyse zu empfehlen. Hier sind Fragen zu klären wie etwa: Sind Anzahl und Alter der teilnehmenden Kinder bekannt? Für welche Tageszeiten wird eine Betreuung benötigt? Sind flexible Buchungszeiten notwendig? Welche Räumlichkeiten können intern genutzt werden? Wie viele Betreuer werden benötigt? Muss für Verpflegung gesorgt werden?

Entscheidet sich ein Betrieb für fortlaufende Angebote zur Ferienbetreuung, kann er sich an folgenden Beispielen aus dem Kreis der Arbeitgeber orientieren, die das audit berufundfamilie erfolgreich durchlaufen und darin Maßnahmen in den unterschiedlichen betrieblichen Handlungsfeldern passgenau aufgestellt haben:

Die Umfunktionierung eines ehemaligen Hausmeister­hauses auf dem Firmengelände zum Haus der Ferienbetreuung und die Einrichtung eines Spielplatzes. Die Betreuung der Kinder kann durch ausgebildete Erzieher/ innen erfolgen, die auf die Arbeitszeiten der Beschäftigten abgestimmt zur Verfügung stehen.

Wer keine Möglichkeiten zur Betreuung im eigenen Betrieb hat, kann sich zum Beispiel einem kommunalen Anbieter anschließen, etwa einem von der Stadt angebotenen Kinderferienprogramm. Die Kostenbeiträge können in Teilen von dem Arbeitgeber und den Eltern getragen werden.

Auch für die nicht mehr ganz kleinen Kinder sind Ferienkurse eine gute Betreuungsmöglichkeit, mit denen zudem in die Bildung des Nachwuchses investiert wird. Hier empfiehlt sich die Kooperation mit einem externen Anbieter. Dabei kann es zum Beispiel um die Erkundung der heimischen Natur, Experimente in der Physik, sportliche Aktivitäten, oder auch um Bastelarbeiten gehen.

Warum sollten sich Arbeitgeber für den Notfall wappnen?

Eine Ferienbetreuung in der eigenen Firma oder in Kooperation mit anderen Arbeitgebern auf einem externen Gelände ist auch für Notfallsituationen geeignet. Diese entstehen, wenn beispielsweise die eigentlich vorgesehene Betreuung ausfällt.

„Notfallszenarien“ ergeben sich aber auch in folgenden Fällen:
  • wenn das Kind erkrankt ist
  • wenn kurzfristig beruflich mehr Arbeitsstunden aufgebracht werden müssen, um das Projekt voranzubringen
  • wenn, wie oben genannt, der Betreuer erkrankt oder das Kita-Personal streikt
  • wenn der Partner, der in der Kinderbetreuung in der Regel unterstützt, für ein paar Wochen krankheitsbedingt ausfällt oder beruflich verreist ist
Hausinterne Lösungen können Eltern-Kind-Arbeitszimmer bieten, die nicht nur in Ferienzeiten zur Verfügung stehen. Hilfreich sind aber auch bereits Informationsmaterialien wie Listen von Babysittern und anderen kurzfristig anzusprechenden Betreuern aus der Umgebung.

Das Spektrum der Maßnahmen zur betrieblichen Unterstützung der Ferienbetreuung ist groß. A&O ist die Planung!



Montag, 18. Juli 2016

Beruf und Pflege: Verbindlichkeit schaffen


Das Thema Pflege stellt für viele Arbeitgeber eine Black Box dar: Wann ein Beschäftigter mit Pflegeaufgaben konfrontiert ist, lässt sich kaum vorhersagen. Auch der Verlauf und die Dauer der Pflege lassen sich nicht bestimmen. Nach wie vor wissen Arbeitgeber zum Teil zudem nicht, welche pflegebewussten Angebote überhaupt in Betracht kommen. Von einem verbindlichen Maßnahmenpaket zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist daher der Großteil der Arbeitgeber weit entfernt. Verbindlichkeit ist jedoch ein Schlüssel, pflegebewusste Maßnahmen transparent und gerecht für alle Beteiligten zu gestalten.

Verbindlichkeit“ – das war das Thema des diesjährigen Netzwerktreffens, zu dem die hessische Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ am 13. Juli 2016 bei der Fraport AG in Frankfurt lud. Es diskutierten Vertreter aus dem Kreis der über 50 Unterzeichner der „Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“.

Verbindlichkeit durch Betriebsvereinbarungen

Hermann-Josef Schmitt, Rewe-Group, zur Verbindlichkeit von
pflegebewussten Maßnahmen durch Betriebsvereinbarungen
(©Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft)
Betriebsvereinbarungen sind ein sinnvolles Instrument Verbindlichkeit durchsetzen. Ein Beispiel präsentierte Hermann-Josef Schmitt von der Rewe-Group. Die hauseigene Betriebsvereinbarung „Auszeit Pflege“ eröffnet den Beschäftigten seit 2012 weitreichende Möglichkeiten der Freistellung bzw. Arbeitszeitreduzierung, die sie für die Betreuung eines zu pflegenden Angehörigen nutzen können. Die „Auszeit Pflege“ kombiniert die gesetzliche Pflegezeit nach dem Pflegezeitgesetz und eine anschließende Rewe-Auszeit.

„Mit dem Arbeitszeitmodell können sich Beschäftigte für die Pflege naher Familienangehöriger bis zu 6 Monate vollständig von der Arbeit freistellen zu lassen. Die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz ist nach der Auszeit möglich. Zudem kann die Mitarbeiterin/ der Mitarbeiter die Arbeitszeit 12 Monate lang reduzieren und im Anschluss die vorherige Arbeitszeit wieder aufnehmen. Während der Auszeit erhält die/ der Beschäftigte ein entsprechend angepasstes Gehalt und ist somit weiterhin sozialversichert.

Hintergrundinformationen

Vertreter der hessischen Initiative "Beruf und Pflege vereinbaren"
(©Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft)
Die Aufmerksamkeit für das Thema Pflege wächst in der Öffentlichkeit. Arbeitgeber öffnen sich immer mehr einer pflegebewussten Personalpolitik – und das aus gutem Grund: Im Jahr 2020 werden schätzungsweise 2,9 Mio. Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein, in 2030 etwa 3,4 Mio.[1] Dennoch gibt es in Betrieben viele Vorbehalte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Arbeitgeber tun sich oft schwer, angesichts dieser Black Box Maßnahmen zur Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzubieten.

Die bundesweit erste Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ will das vorhandene Engagement der Arbeitgeber sichtbar machen und dadurch weitere Betriebe und Organisationen zur Mitarbeit anregen. Mittlerweile haben sich bereits insgesamt 51 Unterzeichner der Charta angeschlossen.

Die Initiative wurde 2013 unter dem Dach der Seniorenpolitischen Initiative Hessen ins Leben gerufen. Initiatoren sind das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, die AOK Hessen — Die Gesundheitskasse in Hessen, die berufundfamilie Service GmbH und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

[1] Siehe http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157217/umfrage/prognose-zur-anzahl-der-pflegebeduerftigen-in-deutschland-bis-2030/