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Mittwoch, 7. September 2016

Bundesweit erste Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: Jetzt 134 hessische Arbeitgeber an Bord


Gestern (06.09.2016) fand zum vierten Mal die feierliche Überreichung der Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Hessen statt. Was das bedeutet? Arbeitgeber, die sich zu einer pflegebewussten Arbeitswelt bekennen, machen dies mit der Unterzeichnung der 2013 von der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ ins Leben gerufenen Charta deutlich. Von 11 Erstunterzeichnern ist die Charta-Familie inzwischen auf 134 Mitgliedsunternehmen angewachsen. Damit können mehr als 300.000 Beschäftigte in Hessen profitieren.

38 hessische Arbeitgeber konnten am 6. September 2016 aus den Händen von Sozialminister Stefan Grüttner die Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege entgegennehmen (©berufundfamilie Service GmbH)

Lösungen für pflegende Beschäftigte

Die Charta erhielten die 38 Neuunterzeichner im Haus der Wirtschaft Hessen, Frankfurt, aus den Händen von Hessens Sozialminister Stefan Grüttner. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration zählt neben der AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen, der berufundfamilie Service GmbH und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e. V. zu den Initiatoren der Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“.

Die Charta für den Familien-Friseur
TRENDcutter aus Melsungen
(©berufundfamilie Service GmbH)
Die Chartaunterzeichner bilden die breite Palette der Arbeitgeber in Hessen ab: Von Kleinstbetrieben bis größeren Unternehmen und vom Friseur bis zum Amtsgericht ist vieles dabei. Als 100. Arbeitsgeber hat beispielsweise der Familienbetrieb TRENDcutter aus Melsungen die Charta unterzeichnet. Und mit der jetzigen Chartaüberreichung sind der erste Caritasverband sowie alle Handwerkskammern Hessens dabei.

Die Initiative möchte nicht nur eine breite Öffentlichkeit für das Thema „pflegebewusste Personalpolitik“ sensibilisieren, sondern bietet auch konkrete Unterstützungsmaßnahmen an: Kompetenztrainings für betroffene Beschäftigte, Netzwerkveranstaltungen zum Austausch über Ansätze guter Praxis, ein Webportal unter www.berufundpflege.hessen.de mit allen relevanten Informationen für Unternehmen und Beschäftigte sowie Trainings zum innerbetrieblichen Pflege-Guide.

 



AOK-Hessen hat Schulung der Pflege-Guides Anfang 2016 übernommen

Oliver Schmitz, Geschäftsführer der
berufundfamilie Service GmbH, hieß die Arbeit-
geber im Charta-Netzwerk ebenfalls will-
kommen (©berufundfamilie Service GmbH)
Pflege-Guides stellen in den Betrieben eine wichtige erste Anlaufstelle und Lotsinnen bzw. Lotsen für Kolleginnen und Kollegen dar, die zu Hause die Pflegesituation einer oder eines Angehörigen bewältigen müssen. Rund 120 Beschäftigte ließen sich bereits zum Pflege-Guide ausbilden. Aufgrund des Erfolgs des Projekts hat Minister Grüttner die Qualifizierung als Regelangebot an die AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen übergeben.

„In Hessen sind wir früh angetreten, die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu verbessern. Dabei war uns von vornherein wichtig, alle wichtigen Sozialpartner aus Wirtschaft und Gesundheitswesen zu beteiligen. Das zahlt sich heute aus, wenn wir das als Modell gestartete Projekt der Pflege-Guide-Qualifizierung in ein Regelangebot überführen und in die Hände der AOK legen können. Das heißt für mich Nachhaltigkeit“, so Sozialsminister Stefan Grüttner.

Montag, 18. Juli 2016

Beruf und Pflege: Verbindlichkeit schaffen


Das Thema Pflege stellt für viele Arbeitgeber eine Black Box dar: Wann ein Beschäftigter mit Pflegeaufgaben konfrontiert ist, lässt sich kaum vorhersagen. Auch der Verlauf und die Dauer der Pflege lassen sich nicht bestimmen. Nach wie vor wissen Arbeitgeber zum Teil zudem nicht, welche pflegebewussten Angebote überhaupt in Betracht kommen. Von einem verbindlichen Maßnahmenpaket zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist daher der Großteil der Arbeitgeber weit entfernt. Verbindlichkeit ist jedoch ein Schlüssel, pflegebewusste Maßnahmen transparent und gerecht für alle Beteiligten zu gestalten.

Verbindlichkeit“ – das war das Thema des diesjährigen Netzwerktreffens, zu dem die hessische Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ am 13. Juli 2016 bei der Fraport AG in Frankfurt lud. Es diskutierten Vertreter aus dem Kreis der über 50 Unterzeichner der „Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“.

Verbindlichkeit durch Betriebsvereinbarungen

Hermann-Josef Schmitt, Rewe-Group, zur Verbindlichkeit von
pflegebewussten Maßnahmen durch Betriebsvereinbarungen
(©Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft)
Betriebsvereinbarungen sind ein sinnvolles Instrument Verbindlichkeit durchsetzen. Ein Beispiel präsentierte Hermann-Josef Schmitt von der Rewe-Group. Die hauseigene Betriebsvereinbarung „Auszeit Pflege“ eröffnet den Beschäftigten seit 2012 weitreichende Möglichkeiten der Freistellung bzw. Arbeitszeitreduzierung, die sie für die Betreuung eines zu pflegenden Angehörigen nutzen können. Die „Auszeit Pflege“ kombiniert die gesetzliche Pflegezeit nach dem Pflegezeitgesetz und eine anschließende Rewe-Auszeit.

„Mit dem Arbeitszeitmodell können sich Beschäftigte für die Pflege naher Familienangehöriger bis zu 6 Monate vollständig von der Arbeit freistellen zu lassen. Die Rückkehr an den alten Arbeitsplatz ist nach der Auszeit möglich. Zudem kann die Mitarbeiterin/ der Mitarbeiter die Arbeitszeit 12 Monate lang reduzieren und im Anschluss die vorherige Arbeitszeit wieder aufnehmen. Während der Auszeit erhält die/ der Beschäftigte ein entsprechend angepasstes Gehalt und ist somit weiterhin sozialversichert.

Hintergrundinformationen

Vertreter der hessischen Initiative "Beruf und Pflege vereinbaren"
(©Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft)
Die Aufmerksamkeit für das Thema Pflege wächst in der Öffentlichkeit. Arbeitgeber öffnen sich immer mehr einer pflegebewussten Personalpolitik – und das aus gutem Grund: Im Jahr 2020 werden schätzungsweise 2,9 Mio. Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein, in 2030 etwa 3,4 Mio.[1] Dennoch gibt es in Betrieben viele Vorbehalte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Arbeitgeber tun sich oft schwer, angesichts dieser Black Box Maßnahmen zur Entlastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzubieten.

Die bundesweit erste Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege der hessischen Initiative „Beruf und Pflege vereinbaren“ will das vorhandene Engagement der Arbeitgeber sichtbar machen und dadurch weitere Betriebe und Organisationen zur Mitarbeit anregen. Mittlerweile haben sich bereits insgesamt 51 Unterzeichner der Charta angeschlossen.

Die Initiative wurde 2013 unter dem Dach der Seniorenpolitischen Initiative Hessen ins Leben gerufen. Initiatoren sind das Hessische Ministerium für Soziales und Integration, die AOK Hessen — Die Gesundheitskasse in Hessen, die berufundfamilie Service GmbH und das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

[1] Siehe http://de.statista.com/statistik/daten/studie/157217/umfrage/prognose-zur-anzahl-der-pflegebeduerftigen-in-deutschland-bis-2030/