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Donnerstag, 12. Januar 2017

Vereinbarkeit zahlt sich aus! oder Wie der Vorstand zu überzeugen ist

Beitrag 
Elena de Graat, Auditorin der berufundfamilie Service GmbH


Sie kennen Sie sicherlich, die immer wiederkehrende Frage nach dem Return of Investment (ROI). Die macht auch vor der familienbewussten Personalpolitik keinen Halt. Die gute Nachricht: Der ROI familienbewusster Angebote kann unternehmensspezifisch jederzeit ermittelt werden. Und mit einer klugen Analyse einiger relevanter Daten kann die Einführung der Maßnahmen für ein Unternehmen sowohl passgenau als auch rentabel gestaltet werden.

Ein Anruf und seine rentablen Folgen

2004 rief mich mitten im Sommer die Mitarbeiterin der Personalabteilung der MVV Energie AG (Mannheim) an: „Können Sie mir dabei helfen herauszufinden, ob und wenn ja welche familienorientierten Maßnahmen zur Personalpolitik unseres Unternehmens passen – und ob sich das rechnet?“

Da ich kurz zuvor mit 10 Unternehmen in einem EU-Projekt in Trägerschaft des berufundfamilie gGmbH genau die Kosten-Nutzen-Frage im Detail ausgearbeitet hatte, war ich sehr gespannt. Das war die Chance auf den ersten Kosten-Nutzen- UND Vorher-Nachher-Vergleich. Anders gesagt, die Realitäts-Probe auf so viele gute Exempel und Nach-Rechnungen.

Dafür haben wir uns familienrelevante Daten und betriebswirtschaftlich wünschenswerte Veränderungen angesehen. Die aus Forschung und Erfahrung bereits bekannten Wirkungszusammenhänge gingen in die weiteren Berechnungen ein, aus denen das Projektbudget in Relation zu den möglichen Effekten von personalpolitischen Angeboten der Vereinbarkeitsunterstützung kalkuliert wurde. Wir stellten mutig eine Rendite von 25 % in Aussicht.

Perspektivwechsel: Von den – möglichst gering zu haltenden – Personalkosten hin zur Pflege des – wertvollen – Humankapitals

Das Budget wurde bei dem Energieversorgungsunternehmen MVV bewilligt und das schrittweise – auch nach Bedarf und unter Beteiligung von Beschäftigten – realisierte Gesamtpaket auf den betriebswirtschaftlichen Prüfstand gestellt.

Zusammengestellt haben wir nach 2 Jahren dabei zunächst die tatsächlich entstandenen Einrichtungs- und Betriebskosten
  • der Unterstützung einer Elterninitiative,
  • der Tagesmüttervermittlung durch das Stadtjugendamt,
  • des Eltern-Kind-Arbeitszimmers,
  • der Schulferienbetreuung in Kooperation mit einem Sportverein,
  • des Links zu „Regionalen Kinderbetreuungsmöglichkeiten,
  • der Intranet-Informationen sowie
  • der Projekt-Koordination.

Dem wurden die Einsparungen gegenübergestellt, u. a.
  • den vermiedenen Ausfalltagen bei Nutzung des Eltern-Kind-Arbeitszimmers und der einer Ferienbetreuung,
  • den eingesparten Überbrückungs-, Wiedereinarbeitungs- und Qualifizierungskosten bei Inanspruchnahme eines Platzes in der Elterninitiative sowie
  • dem Wert der zahlreichen sehr positiven redaktionellen Berichterstattungen über das familienorientierte Engagement des Unternehmens.

Bei der MVV Energie AG war die zugesicherte 25 prozentige Rendite-Quote bereits 2006 erreicht – und 2007 waren für jeden eingesetzten Euro 3 gespart.

Nun vollkommen überzeugt rundete die MVV-Energie AG ihre Aktivitäten 2008 mit ihrem ersten audit berufundfamilie ab.

Erst auditiert, dann Wirtschaftlichkeit bestätigt

Den umgekehrten Weg gingen Vodafone und der TÜV SÜD. Beide ließen sich 2008 zuerst auditieren und überprüften dann die Wirtschaftlichkeit der so entwickelten und umgesetzten Angebote – mit ausgezeichneten Ergebnissen.

Vodafone konnte 2010 belegen, dass sich seine Investitionen in familienunterstützende Angebote mit einer Rendite von rund 33 % auszahlen – überprüft von Financial Controlling mit einem Vodafone Standard Business Case. Zudem hat eine interne Untersuchung ergeben, dass bei Führungskräften, die auch die familiären Belange ihrer Mitarbeitenden wertschätzen, die Mitarbeitenden ein um den Faktor 4 höheres Engagement für das Unternehmen aufweisen.

Der TÜV SÜD hat zuerst 2013 und erneut erst kürzlich in 2016 nachgerechnet und dabei eine Rendite von deutlich über 30 % ermitteln können. Auch hier haben kritische Controller die Detailliertheit der Erhebung und Berechnung genau angesehen.

Online kostenlos rantasten: Berechnungsinstrument

Für einen ersten Eindruck können Unternehmen aller Größen und Branchen ihre spezifischen Belegschaftsdaten in ein kostenloses und online verfügbares Berechnungsinstrument eintragen. Sie erhalten in diesem Instrument in einem ersten Datenblatt auf Basis
  • des Mikrozensus annähernde Werte zur Anzahl der Beschäftigten mit Kindern unter 15 für die diese beschäftigten Eltern eine zeitlich intensivere Sorge zu tragen haben und
  • der bundesdeutschen Pflegestatistik eine Orientierung zur Anzahl an Beschäftigten mit versorgungsbedürftigen älteren Angehörigen.

Auch die Kosten der Wiederbesetzung einer ganz konkreten Stelle kann hiermit ermittelt werden. Auf weiteren Datenblättern kann ersehen werden, bei welcher Investition bzw. welchem Kostenrahmen und einer entsprechenden Inanspruchnahme sich ein konkretes betriebliches Angebot rechnet. Ein praktisches, wenig aufwändiges Instrument zur Vorabermittlung des zu erwartenden Break Even Point einiger spezifischer familienbewusster Angebote.

Hier geht es zu dem Instrument. (Falls Download sich nicht automatisch öffnet, bitte unter "Datei" -> "Herunterladen als" xlsx-Download-Option anwählen.)


Weitere Informationen zur familienbewussten Personalpolitik bzw. Vereinbarkeitsrendite

http://www.berufundfamilie.de/arbeitgeberattraktivitaet/employer-branding

http://www.berufundfamilie.de/auditierung-unternehmen-institutionen-hochschule/nutzen-audit-zertifikat-arbeitgeberattraktivitaet

und http://www.work-and-life.de/audit-beruf-und-familie.html



Elena de Graat hat das audit berufundfamilie Mitte der 90er Jahre mitentwickelt. Sie ist Auditorin für die berufundfamilie Service GmbH und beschäftigt sich seit rund 15 Jahren mit der Berechnung von Kosten und Nutzen familienorientierter Maßnahmen. Sie ist zudem, Resilienz- und ZRM-Trainerin, Therapeutin und Coach.

(©work & life, Elena de Graat)



Dienstag, 20. September 2016

Vereinbarkeit in Zahlen – Heute: Von A wie Arbeitspendler bis Z wie Zeitmangel



Zahlen, Daten und Fakten rund um die vielfältige Arbeitswelt (©berufundfamilie Service GmbH)

 

Arbeitspendler

27 % der Berufspendler brauchen täglich zwischen 10 und 25 km zur Arbeit. 17 % der Beschäftigten benötigen für eine einfache Wegstrecke mehr als 25 km, 4 % davon mindestens 50 km.

„Berufspendler“, Statistisches Bundesamt, Mai 2014 (auf Basis des Mikrozensus 2012)
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/Arbeitsmarkt/2014_05/2014_05Pendler.htmlhttps://www.destatis.de/DE/Publikationen/STATmagazin/Arbeitsmarkt/2014_05/Arbeitsmarkt2014_05.html


Prioritäten

Haben Deutsche die Wahl zwischen dem eigenen Zuhause, freier Zeit, Geld und Karriere, entscheiden sich für das Privatleben.

Briten und Franzosen tendieren hingegen eher zum Geld. Für Italiener hat die Karriere die oberste Priorität.

Dalia Meinungsforschungsinstitut, Prioritäten der Europäer, März/Juli 2016
https://de.statista.com/infografik/5400/prioritaeten-der-europaeer/


Renditepotenziale

Renditen von bis zu 40 % sind möglich, wenn Unternehmen in Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie investieren und eine familienbewusste Kultur leben.

Die Rendite auf „klassische Maßnahmen“ wie feste Teilzeitmodelle, Home-Office oder Kinderbetreuungsangebote liegen bei 25 %.

BMFSFJ, Roland Berger, Renditepotenziale der NEUEN Vereinbarkeit, September 2016 http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Renditepotenziale-der-NEUEN-Vereinbarkeit-Langfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

Studierende

Deutsche Studierenden messen dem Privatleben mit 70 % eine höhere Bedeutung zu als Freunden (61 %), Freizeit (59 %) und dem beruflichen Aufstieg (57 %).

Jedoch beweist sich die immer noch vorherrschende Rollenverteilung: Bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers ist sowohl für männliche (62 %) als auch für weibliche (64 %) Studenten die Jobsicherheit bei der Wahl am wichtigsten. Bei den Frauen folgt schon auf Platz 2 die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (49 %), während dieser Punkt bei den Männern unter den Top 5 gar nicht zu finden ist. Für sie sind hingegen Aufstiegschancen (55 %) und flache Hierarchien/Kollegialität (42 %) wichtig.

Ernst & Young, Studentenstudie 2016, Juli 2016
http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-studentenstudie-2016-werte-ziele-perspektiven/$FILE/EY-studentenstudie-2016-werte-ziele-perspektiven.pdf


Verantwortungsdruck

70,3 % der Unternehmen in Deutschland, sind der Meinung, dass mit persönlicher Weiterbildung, Empowerment sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Anforderungen und damit auch der Verantwortungsdruck für Beschäftigte steigen.

Zusätzlich stellen 39,2 % einen vermehrten Anstieg psychischer Erkrankungen fest.

Agentur ohne Namen, HR Future Trends 2016, Juni 2016
https://www.agenturohnenamen.de/fileadmin/user_upload/HR_Future_Trend_2016.pdf


Zeitmangel

46 % der Mütter und Väter empfinden grundsätzlich Zeitmangel.

47 % der fühlen sich sogar durch Zeitmangel gestresst.

47 % der Frauen meinen, dass ihr Partner zeitlich zu kurz kommt, 41 % klagen über zu wenig Zeit für ihre Kinder und 32 % für ihre Freunde. Nur 12 % der Frauen glauben, zu wenig Zeit in die Arbeit zu investieren.

Bei den Männern sieht es wie folgt aus: 73 % finden, dass sie zu wenig Zeit mit ihrer Partnerin verbringen, 2/3 widmen sich nach eigener Einschätzung zu wenig den Kindern und 56 % zu wenig ihren Freunden. Die Arbeit kommt hingegen nur bei 8 % zu kurz.

AOK-Familienstudie, AOK-Bundesverband, Juli 2016
Vgl. http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/spagat-zwischen-beruf-und-familie-berufstaetige-eltern-leiden-unter-chronischer-zeitnot/13954316.html