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Donnerstag, 23. Februar 2017

Ohne Familienbewusstsein kein effizienter Arbeitsablauf mehr – Ein Interview mit Thomas Lenz, Vorstand Jobcenter Wuppertal

Organisationsentwicklung mit dem audit berufundfamilie (©berufundfamilie Service GmbH, Marcel Coker)


Herr Lenz, Sie haben im Jobcenter Wuppertal vor einem Jahr das audit berufundfamilie durchführen lassen. Warum haben Sie sich dafür entschieden, sich als familienbewusster Arbeitgeber zu positionieren?

Die Jobcenter Wuppertal AöR ist ein junges und wachsendes Unternehmen. Wir sind stetig auf der Suche nach Fachkräften in unseren unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern. Dabei stehen wir natürlich im Wettbewerb mit anderen Arbeitgeber*innen. Neben einer angemessenen Bezahlung, einer interessanten Tätigkeit und einem guten Umfeld spielt gerade das Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei vielen potentiellen Bewerber*innen eine bedeutende Rolle. Wer als Arbeitgeber*in hier keine guten Antworten geben kann, wird den Wettbewerb um gute Fachkräfte verlieren. Neben diesem Kernthema geht es uns bei diesem Thema aber auch um unsere gesellschaftliche Entwicklung. Unsere Gesellschaft wird immer älter und da kann dann auch eine Antwort sein: Wir schaffen Rahmenbedingungen, die es möglich machen, Beruf und Familie gut miteinander zu kombinieren.

Spielt Familienbewusstsein heute wirklich eine so große Rolle für die Beschäftigten und potentiellen Bewerber?

Ja, Familienbewusstsein spielt heute zunehmend eine große Rolle. Dies bestätigen nicht nur wissenschaftliche Untersuchungen. In vielen Einzelgesprächen mit Mitarbeiter*innen wird dieses Thema angesprochen und auch neue Kolleginnen und Kollegen bestätigen immer wieder: Wir haben uns für sie als Arbeitgeber entschieden, weil wir uns mit ihren Rahmenbedingungen beruflich positionieren, aber auch unsere Familienarbeit organisieren können. Das sind Rückmeldungen, die uns auch in dem eingeschlagenen Weg bestätigen und motivieren, auf diesem Themenfeld weiter am Ball zu bleiben.

Sie hätten ja auch „einfach so“ Maßnahmen ergreifen können. Warum haben Sie sich für dieses strukturierte Vorgehen mit konkreten Zielen und Maßnahmen entschieden?

„Einfach so“ geht bei diesem wichtigen Thema nicht! Wir haben es hier mit einem Kernthema in der Organisation zu tun. Und Kernthemen bedürfen einer strukturierten Herangehensweise mit klaren Zielen und Maßnahmen und auch einer regelmäßigen Überprüfung. Wir wären bei diesem Thema nicht so erfolgreich, wenn wir nicht in den vergangenen Jahren eine feste Organisationseinheit gebildet hätten, die sich stetig mit dem Thema beschäftigt. Es war kein Selbstläufer, wir haben intern und extern „dicke Bretter“ bohren müssen. Das geht nur in festen Strukturen, auch um die Bedeutung des Themas in der Organisation deutlich zu machen!

Das Jobcenter Wuppertal war als Arbeitgeber schon vor Beginn des audit sehr gut aufgestellt. Sie hatten bereits flexible Arbeitszeiten, viele Teilzeitmodelle, Homeoffice-Möglichkeiten u.v.m. Warum wollten Sie noch weitergehen?

Wir sind mit dem Thema noch lange nicht fertig. In Laufe des Jahres werden wir endlich ein eigenständiges Angebot für die Betreuung der Kinder unserer Beschäftigten in einer Kindertagesstätte anbieten können. Wir arbeiten zurzeit weiter an der Weiterentwicklung unseres Kontakthalteprogramms während der Elternzeit. Unsere „Begrüßungskultur“ bei der Geburt der Kinder wird sich verändern. Durch die Einführung der E-Akte müssen wir unsere Homeoffice-Rahmenbedingungen weiter entwickeln... Also, viele Themen, die weiterhin bearbeitet und geklärt werden müssen.

Verträgt sich so viel Familienbewusstsein überhaupt noch mit einem effizienten Arbeitsablauf?

Ich würde eine Gegenfrage stellen: Verträgt sich ein effizienter Arbeitsablauf in der Organisation ohne diese Initiativen? Ich würde diese Frage klar mit „nein“ beantworten! Wir werden zukünftig unsere Aufgaben nicht mehr so gut erfüllen können, wenn wir es nicht schaffen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gut zu organisieren. Das ist natürlich immer ein Geben und Nehmen. Flexible Arbeitszeiten können sie nur dann einführen, wenn in den jeweiligen Teams durch interne Absprachen sicher gestellt wird, dass die Aufgabe auch so wie vorgesehen wahrgenommen wird. Bei Homeoffice-Plätzen muss ich mich auf die Kollegin und den Kollegen verlassen können.

Ich habe aber einen anderen Eindruck und merke eine andere Entwicklung. Wir werden nicht nur besser in der Besetzung unserer freien Stellen. Die Identifikation mit unserem Unternehmen und unseren Aufgaben wird stärker. Wir entwickeln eine gemeinsame Kultur, die Arbeit und Familie verbindet. Und dadurch werden wir leistungsfähiger und besser!

Welche Maßnahmen, die Sie eingeführt haben, werden denn besonders gerne in Anspruch genommen?

Je nach Lebenssituation sind das natürlich die Säulen „Flexible Arbeitszeit“ und „Homeoffice“. Aber auch unsere Eltern-Kind-Büros erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei den Beschäftigten. Und besonders freue ich mich über die schon vorhandene sehr hohe Anmeldezahl in unserer Kindertagesstätte.



(©Jobcenter Wuppertal AöR)
Thomas Lenz ist seit 2012 Vorstandsvorsitzender der Jobcenter Wuppertal AöR. Der diplomierte Sozialwissenschaftler hat zwei Kinder.

Die Jobcenter Wuppertal AöR ist ein Dienstleister der Sozialverwaltung und betreut erwerbsfähige Hilfebedürftige nach dem SGB II. Aktuell werden über 46.500 Menschen in sieben Geschäftsstellen und insgesamt 9 Standorten betreut. Insgesamt sorgen rund 600 Mitarbeiter*innen für die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II bzw. für die Integration von erwerbslosen Kund*innen. Zwei Drittel der Beschäftigten sind Frauen, viele von ihnen befinden sich in der „klassischen Familienphase“. Etwa 100 Mitarbeiter*innen arbeiten in Teilzeit.

(©privat)
Dr. Isabelle Kürschner beschäftigt sich seit Jahren in Wissenschaft und Praxis mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als Auditorin der berufundfamilie Service GmbH arbeitet sie eng mit Arbeitgebern zusammen, die sich erfolgreich für die Zukunft aufstellen und dabei Arbeitsbedingungen schaffen, unter denen Beschäftigte bereit sind, ihr Bestes zu geben. Darüber hinaus ist sie bei Unternehmen und auf Konferenzen als Vortragsrednerin gefragt zu Themen wie Führungs-und Organisationskultur, die Zukunft der Arbeitswelt, Vielfalt und Diversity sowie Work-Life-Balance. Vor ihrer Selbständigkeit war die Politikwissenschaftlerin in der Politikberatung sowie am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der Technischen Universität München tätig.











Mittwoch, 25. Januar 2017

Stark: Empowerment als Lösungsansatz für mehr Chancengleichheit von Frauen in Unternehmen


Beitrag von
Dr. Brigitte Waffenschmidt, Auditorin der berufundfamilie Service GmbH

Seit geraumer Zeit begegnet mir bei meiner Beratungs- und Lehrtätigkeit vermehrt der Begriff „Empowerment“. Er tauchte zum ersten Mal im Zusammenhang der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahre 2008 auf. Denn durch das Versagen der Finanzmärkte war die Zahl der absolut armen Menschen rasant angestiegen. Betroffen waren und sind – wieder einmal – in erster Linie Frauen, insbesondere in den Ländern der Dritten Welt. Als strategischer Lösungsansatz für mehr Chancengleichheit für Frauen in Entwicklungsländern wurden „Empowerment-Konzepte“ vorgestellt, die an die Stelle der herkömmlichen Entwicklungshilfe treten sollten.

Weibliche Eigenkompetenz

Aus diesem Ursprung wurde „Empowerment“, das heute am treffendsten mit „Eigenkompetenz“ übersetzt werden könnte, zu einem Fachbegriff für strategisches Management, bei dem es um die selbstbewusste Durchsetzung und Verwirklichung von spezifischen Fraueninteressen und ‑gesichtspunkten in Unternehmen geht.

Auf mich kommen in zunehmendem Maße Führungskräfte und Personalleiter mit der Frage zu, ob und wie Empowerment als Instrument anzuwenden sei, um ein Umdenken zu der Frage anzustoßen, wie spezifisch weibliche Talente und Potentiale erkannt und gestärkt werden können.

Erfahrung aus dem audit berufundfamilie

Aus meiner Erfahrung ist eine unterstützende Unternehmenskultur die Grundvoraussetzung für gelebtes „Empowerment“. Dazu gehören die Maßnahmen der lebensphasenbewussten Personalpolitik aus den acht Handlungsfeldern des audit berufundfamilie, die Frauen ermutigen und bewegen, eigene Führungsvisionen selbst aktiv zu gestalten. Hierzu gehören aber auch die Erkenntnis und deren Umsetzung, dass Problemlösungen nicht nur im Nacheifern von Männern zu sehen sind, sondern aus eigenen Potentialen entwickelt werden können.

Auf meinem Bildungs- und Berufsweg habe ich mit Empowerment beste Erfahrungen gemacht bis hin zu der Erkenntnis, dass sich die beruflichen Anforderungen und ein ausgeprägtes Familienleben nicht konkurrierend gegenüberstehen müssen, sondern dass die zu versorgende Familie eine der Energiequellen beruflichen Fortkommens sein kann, wenn sie als Bereicherung und nicht als Belastung empfunden wird.


(©privat)
Dr. Brigitte Waffenschmidt ist Personal- und Organisationsberaterin, Auditorin der berufundfamilie Service GmbH und Dozentin am Campus M21 in Nürnberg. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder im Grundschulalter.

Freitag, 20. Januar 2017

Im Dialog geht’s weiter – Langjährig erfolgreiches Familienbewusstsein wird mit dauerhaftem Zertifikat honoriert

Seit 19 Jahren können Arbeitgeber ihre familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik mit Hilfe des audit berufundfamilie (seit 2002 mit dem audit familiengerechte hochschule) strategisch und zukunftsgerichtet gestalten. Über 1.600 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen haben das als mehrstufiges Verfahren angelegte audit bereits erfolgreich durchlaufen. Der stringente Prozess zielt ab auf eine wachsende Selbststeuerung des Themas Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben durch die Organisation.

Den Bedürfnissen der langjährig engagierten Arbeitgeber, deren Zahl stetig zunimmt, entspricht die berufundfamilie Service GmbH jetzt mit einem neuen Verfahren – dem Dialogverfahren. Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, erläutert, was es mit der Neuerung auf sich hat.

Herr Schmitz, es wird zukünftig für langjährig familienbewusste Arbeitgeber ein Zertifikat zum audit berufundfamilie geben, das einen dauerhaften Charakter hat. Eine Innovation bei der berufundfamilie. Was steckt dahinter?

Entscheidend für diese Neuerung ist der hohe Entwicklungsstand, den sich Arbeitgeber im Rahmen des audit-Prozesses über viele Jahre in ihrer familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik erarbeitet haben. Da bei den kontinuierlich aktiven Arbeitgebern eine Verankerung des Engagements in der Unternehmenskultur stattgefunden hat, möchten wir dies mit einem Zertifikat honorieren, das einen dauerhaften Charakter hat.

Wenn es nicht zu wesentlichen Veränderungen in der Organisation oder der Kultur kommt, wird das Zertifikat nicht „in Frage“ gestellt. Allerdings ist es zur Sicherung der Qualität alle drei Jahre mit dem Dialogverfahren zu bestätigen.


audit berufundfamilie bzw. audit familiengerechte hochschule: Die Organisation wächst mit dem audit. Und: Das audit passt sich der Organisation an. (©berufundfamilie Service GmbH)

Warum das Dialogverfahren?  

Für Arbeitgeber, die ihre familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik seit vielen Jahren leben, ist es entscheidend, ihren hohen Entwicklungsstand zu pflegen und in einzelnen ausgesuchten Bereichen das Optimierungspotenzial zu nutzen. Genau hier setzen wir jetzt mit dem Dialogverfahren an. Wenn man so will, entlassen wir die Arbeitgeber in die „familienbewusste Selbständigkeit“ und geben ihnen zum Qualitätserhalt ihres Engagements das Dialogverfahren an die Hand, in dem wir selbstverständlich als Berater weiterhin an ihrer Seite sind. So können sie sicherstellen – gerade auch in Zeiten des Changemanagement – in Sachen Vereinbarkeit am Ball zu bleiben und deren betriebswirtschaftliche Effekte nutzen zu können: geringere Krankheitsquoten, geringere Fehlzeiten usw.

Was ändert sich denn im Vergleich zum bisherigen audit-Prozess und wie sieht das Dialogverfahren aus?

In dem mehrstufigen audit-Verfahren folgen nach der ersten Auditierung wie bisher auch im dreijährigen Turnus zwei Re-Auditierungen. Daran schließt sich jetzt das Dialogverfahren an. Vorher gab es das Sicherungsverfahren, das so oft wie gewünscht wiederholt werden konnte und eine umfangreichere Re-Auditierung darstellte.

Oliver Schmitz, Geschäfstführer der berufundfamilie Service GmbH,
informiert über das Dialogverfahren. (©berufundfamilie Service GmbH)
Im Rahmen des Dialogverfahrens, das also erstmalig nach der Zusammenarbeit von neun Jahren angewendet werden kann, wird dem Arbeitgeber die eigenverantwortliche Steuerung und Gestaltung der Vereinbarkeit überlassen – und das in schlanker und zugleich bedarfsgerechter Form: Das Dialogverfahren besteht u. a. aus der Erfassung der Informationen zur Organisation, ihrer Strukturdaten und Kennzahlen und der Durchführung eines Dialogtags, dessen Format in Absprache mit der Auditorin bzw. dem Auditor individuell wählbar ist. In einem Handlungsprogramm werden die selbst definierten Aufgaben dokumentiert.

Das Dialogverfahren ist in Kooperation mit auditierten Unternehmen, Institutionen und Hochschulen entwickelt worden. Diesen Dialog, der daraus entstanden ist, möchten wir beibehalten und im engen Kontakt bleiben, um hier weitere Angebote zu entwickeln die auch für sehr erfahrene Arbeitgeber attraktiv sind und weiterhin Mehrwerte schaffen.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Vereinbarkeit zahlt sich aus! oder Wie der Vorstand zu überzeugen ist

Beitrag 
Elena de Graat, Auditorin der berufundfamilie Service GmbH


Sie kennen Sie sicherlich, die immer wiederkehrende Frage nach dem Return of Investment (ROI). Die macht auch vor der familienbewussten Personalpolitik keinen Halt. Die gute Nachricht: Der ROI familienbewusster Angebote kann unternehmensspezifisch jederzeit ermittelt werden. Und mit einer klugen Analyse einiger relevanter Daten kann die Einführung der Maßnahmen für ein Unternehmen sowohl passgenau als auch rentabel gestaltet werden.

Ein Anruf und seine rentablen Folgen

2004 rief mich mitten im Sommer die Mitarbeiterin der Personalabteilung der MVV Energie AG (Mannheim) an: „Können Sie mir dabei helfen herauszufinden, ob und wenn ja welche familienorientierten Maßnahmen zur Personalpolitik unseres Unternehmens passen – und ob sich das rechnet?“

Da ich kurz zuvor mit 10 Unternehmen in einem EU-Projekt in Trägerschaft des berufundfamilie gGmbH genau die Kosten-Nutzen-Frage im Detail ausgearbeitet hatte, war ich sehr gespannt. Das war die Chance auf den ersten Kosten-Nutzen- UND Vorher-Nachher-Vergleich. Anders gesagt, die Realitäts-Probe auf so viele gute Exempel und Nach-Rechnungen.

Dafür haben wir uns familienrelevante Daten und betriebswirtschaftlich wünschenswerte Veränderungen angesehen. Die aus Forschung und Erfahrung bereits bekannten Wirkungszusammenhänge gingen in die weiteren Berechnungen ein, aus denen das Projektbudget in Relation zu den möglichen Effekten von personalpolitischen Angeboten der Vereinbarkeitsunterstützung kalkuliert wurde. Wir stellten mutig eine Rendite von 25 % in Aussicht.

Perspektivwechsel: Von den – möglichst gering zu haltenden – Personalkosten hin zur Pflege des – wertvollen – Humankapitals

Das Budget wurde bei dem Energieversorgungsunternehmen MVV bewilligt und das schrittweise – auch nach Bedarf und unter Beteiligung von Beschäftigten – realisierte Gesamtpaket auf den betriebswirtschaftlichen Prüfstand gestellt.

Zusammengestellt haben wir nach 2 Jahren dabei zunächst die tatsächlich entstandenen Einrichtungs- und Betriebskosten
  • der Unterstützung einer Elterninitiative,
  • der Tagesmüttervermittlung durch das Stadtjugendamt,
  • des Eltern-Kind-Arbeitszimmers,
  • der Schulferienbetreuung in Kooperation mit einem Sportverein,
  • des Links zu „Regionalen Kinderbetreuungsmöglichkeiten,
  • der Intranet-Informationen sowie
  • der Projekt-Koordination.

Dem wurden die Einsparungen gegenübergestellt, u. a.
  • den vermiedenen Ausfalltagen bei Nutzung des Eltern-Kind-Arbeitszimmers und der einer Ferienbetreuung,
  • den eingesparten Überbrückungs-, Wiedereinarbeitungs- und Qualifizierungskosten bei Inanspruchnahme eines Platzes in der Elterninitiative sowie
  • dem Wert der zahlreichen sehr positiven redaktionellen Berichterstattungen über das familienorientierte Engagement des Unternehmens.

Bei der MVV Energie AG war die zugesicherte 25 prozentige Rendite-Quote bereits 2006 erreicht – und 2007 waren für jeden eingesetzten Euro 3 gespart.

Nun vollkommen überzeugt rundete die MVV-Energie AG ihre Aktivitäten 2008 mit ihrem ersten audit berufundfamilie ab.

Erst auditiert, dann Wirtschaftlichkeit bestätigt

Den umgekehrten Weg gingen Vodafone und der TÜV SÜD. Beide ließen sich 2008 zuerst auditieren und überprüften dann die Wirtschaftlichkeit der so entwickelten und umgesetzten Angebote – mit ausgezeichneten Ergebnissen.

Vodafone konnte 2010 belegen, dass sich seine Investitionen in familienunterstützende Angebote mit einer Rendite von rund 33 % auszahlen – überprüft von Financial Controlling mit einem Vodafone Standard Business Case. Zudem hat eine interne Untersuchung ergeben, dass bei Führungskräften, die auch die familiären Belange ihrer Mitarbeitenden wertschätzen, die Mitarbeitenden ein um den Faktor 4 höheres Engagement für das Unternehmen aufweisen.

Der TÜV SÜD hat zuerst 2013 und erneut erst kürzlich in 2016 nachgerechnet und dabei eine Rendite von deutlich über 30 % ermitteln können. Auch hier haben kritische Controller die Detailliertheit der Erhebung und Berechnung genau angesehen.

Online kostenlos rantasten: Berechnungsinstrument

Für einen ersten Eindruck können Unternehmen aller Größen und Branchen ihre spezifischen Belegschaftsdaten in ein kostenloses und online verfügbares Berechnungsinstrument eintragen. Sie erhalten in diesem Instrument in einem ersten Datenblatt auf Basis
  • des Mikrozensus annähernde Werte zur Anzahl der Beschäftigten mit Kindern unter 15 für die diese beschäftigten Eltern eine zeitlich intensivere Sorge zu tragen haben und
  • der bundesdeutschen Pflegestatistik eine Orientierung zur Anzahl an Beschäftigten mit versorgungsbedürftigen älteren Angehörigen.

Auch die Kosten der Wiederbesetzung einer ganz konkreten Stelle kann hiermit ermittelt werden. Auf weiteren Datenblättern kann ersehen werden, bei welcher Investition bzw. welchem Kostenrahmen und einer entsprechenden Inanspruchnahme sich ein konkretes betriebliches Angebot rechnet. Ein praktisches, wenig aufwändiges Instrument zur Vorabermittlung des zu erwartenden Break Even Point einiger spezifischer familienbewusster Angebote.

Hier geht es zu dem Instrument. (Falls Download sich nicht automatisch öffnet, bitte unter "Datei" -> "Herunterladen als" xlsx-Download-Option anwählen.)


Weitere Informationen zur familienbewussten Personalpolitik bzw. Vereinbarkeitsrendite

http://www.berufundfamilie.de/arbeitgeberattraktivitaet/employer-branding

http://www.berufundfamilie.de/auditierung-unternehmen-institutionen-hochschule/nutzen-audit-zertifikat-arbeitgeberattraktivitaet

und http://www.work-and-life.de/audit-beruf-und-familie.html



Elena de Graat hat das audit berufundfamilie Mitte der 90er Jahre mitentwickelt. Sie ist Auditorin für die berufundfamilie Service GmbH und beschäftigt sich seit rund 15 Jahren mit der Berechnung von Kosten und Nutzen familienorientierter Maßnahmen. Sie ist zudem, Resilienz- und ZRM-Trainerin, Therapeutin und Coach.

(©work & life, Elena de Graat)



Mittwoch, 21. Dezember 2016

Alles eine Zeitfrage!


Koordination von Beruf und Privatleben - alles eine Zeitfrage
(©berufundfamilie Service GmbH)


Weihnachtszeit
– Zeit der Besinnlichkeit, Zeit der Einkehr, Zeit für Familie und Freunde
Aber haben wir eigentlich Zeit? Oder nehmen wir sie uns einfach nicht? Oder machen wir etwas falsch?

Viele Menschen empfinden gerade zu Weihnachten Zeitmangel – ein Mangel, der sich in Stress ausdrückt. Im Extremfall kann dieser negative Folgen für die Gesundheit haben. Laut einer Studie der DAK aus dem Jahr 2013 verzeichneten Krankenhäuser zwischen 2009 und 2012 an den einzelnen Weihnachtstagen jeweils 40 Einweisungen wegen Herzinfarkt. Außerhalb der Weihnachtstage waren es sonst täglich durchschnittlich 30 Herzinfarktbedingte Einweisungen.[1]

Hausgemachter Zeitmangel


Tatsächlich fühlt sich so mancher angesichts der Vielzahl an Aufgaben unter Druck gesetzt: Geschenke müssen eingekauft, verpackt und gegebenenfalls verschickt werden. Die Wohnung muss weihnachtlich hergerichtet werden, wenn es geht, inklusive dekoriertem Tannenbaum. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass 50 % der Männer bis zu 2 Stunden und 37 % sogar über 4 Stunden an Weihnachten in die Innen- und Außendekoration investieren. 2 Stunden reichen nur 32 % der Frauen für die Deko aus. 28 % der Frauen verbringen mit der Verschönerung zwischen 2 und 4 Stunden und 41 % mehr als 4 Stunden.[2]

Zu klären ist auch noch, wann welche Verwandten und Freunde besucht werden bzw. bewirtet werden können. Und das führt dann unweigerlich zu der leidigen Frage nach dem allseits zufriedenstellendem Weihnachtsessen. So sieht sie halt aus, die private von To-Do-Liste von Perfektionisten. Das möchte man manchmal unken und erliegt doch selbst der Maschinerie, möglichst viel in wenig Zeit zu erledigen.

Beruflicher Jahresendspurt


Und dabei ist das nur die Seite des Privatlebens. Nicht zu unterschätzen ist der Aufgabenberg, der spannenderweise im Berufsleben immer wieder zum Jahresende anwächst. Da wollen nicht nur Projekte bis zum 31. Dezember abgeschlossen, sondern andere zum Beginn des kommenden Jahres angeschoben bzw. vorbereitet sein.

In der Parallelität der Aufgaben ist wohl der eigentliche Stressfaktor zu sehen. Das lässt sich kommentieren mit dem zum Gähnen animierenden Satz „Also, eins nach dem anderen.“ Oder ketzerischer: „Kann man alles planen. Schließlich ist ja lange genug bekannt, wann Weihnachten ist.“

Zeitnahme


Sind wir dann irgendwann – vielleicht sogar während der Feiertage – nicht völlig ausgelastet, belegen wir unsere Zeit mit Ersatzaufgaben.

Untersucht wurde, dass z. B. jeder Internetuser während der arbeitsfreien Weihnachtszeit durchschnittlich drei statt 2 Minuten auf Webseiten verbringt und zudem mehr Online-Videos ansieht. [3]

Dabei möchten wir an den Feiertagen weniger Medien konsumieren. 46 % der Deutschen wollen weniger Zeit vor dem Fernsehgerät verbringen.[4]

Die gewonnene Zeit lässt sich gut für gemeinsame Aktivitäten mit anderen nutzen. 89 % der Eltern würden schließlich gerne mehr Zeit mit ihren Kindern und 84 % mehr Zeit mit der/ dem Partner/in verbringen. Und 86 % der Befragten können sich übrigens gut vorstellen, mehr Zeit für Schlaf aufzubringen.[5]

Lassen Sie uns das Résumé ziehen: Alles hat seine Zeit, aber hoffentlich eine möglichst stressfreie.


[1] Vgl. https://www.dak.de/dak/bundes-themen/Herzinfarkt_am_Heiligabend-1337422.html 
[2] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2436/umfrage/zeitinvestition-fuer-das-dekorieren-an-weihnachten
[3] Vgl. http://www.ibusiness.de/aktuell/db/087696tk.html
[4] Vgl. http://www.horizont.net/medien/nachrichten/Studie-Jeder-Zweite-will-an-Weihnachten-weniger-fernsehen---angeblich-144431
[5] http://www.bmfsfj.de/mag/redaktion/2016-58/studie-digitalisierung-deutsche-haushalte,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf