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Dienstag, 7. Juni 2016

Kennzahlen sind nicht alles! Über den Nutzen von Familienbewusstsein


Familienbewusstsein und sein Nutzen: Mehr als nur
betriebswirtschaftliche Effekte (© berufundfamilie Service GmbH)
Wenn es um den Nutzen der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben geht, werfen Personaler gerne einen Blick auf betriebswirtschaftliche Effekte. Aber ist da nicht noch mehr? Unsere Gespräche mit Arbeitgebern zeigen: Ja, der Nutzen einer strategisch angelegten familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik geht über die Aussagekraft von Kennzahlen hinaus. Denn diese bilden einen Bereich nicht ab – zumindest nicht direkt: die positive Reputation, die der Arbeitgeber durch sein familienbewusstes Engagement gewinnt.

Aber erst noch einmal zurück zu den Kennzahlen:
Profitieren familienbewusste Arbeitgeber gegenüber Arbeitgebern mit einem geringen Familienbewusstsein durch weniger Fehlzeiten und eine geringere Krankheitsquote? Können sie eine höhere Motivation ihrer Beschäftigten verzeichnen? Steigt auch die Produktivität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die familien- und lebensphasenbewusste Angebote nutzen? Lässt sich zudem eine bessere Qualität der Bewerber feststellen?

Jede dieser Fragen kann positiv beantwortet werden. Einen Beleg liefert die Studie des Forschungszentrums für Familienbewusstsein (FFP), die die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen von familienbewussten Unternehmen und Unternehmen mit geringem Familienbewusstsein gegenüberstellt.[1]

Ist der Ruf nicht ruiniert…

Wie ergeben sich die betriebswirtschaftlichen Effekte? Intern gilt: Beschäftigte, die konkrete Unterstützung durch den Arbeitgeber – in Form familien- und lebensphasenbewusster Maßnahmen erfahren – fühlen sich und ihre privaten Belange ernst genommen. Die Identifikation mit dem Arbeitgeber steigt. Die Loyalität zu ihm wächst. Extern kommuniziert trägt Familienbewusstsein zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität für Bewerber bei.

Welche Mechanismen dahinter stecken: Arbeitgeber, die Familienbewusstsein strategisch anlegen, bauen eine Reputation auf, die sich von vier Verfassungen der Vereinbarkeit charakterisieren lässt. Zu diesem Ergebnis kam die „Qualitative Marktanalyse berufundfamilie“, für die 20 qualitative Tiefeninterviews mit Arbeitgebern aus unterschiedlichen Branchen und unterschiedlicher Betriebsgrößen durchgeführt wurden[2]:

1. Familienbewusste Arbeitgeber sind Gestalter

Sie entwickeln Strukturen und Rahmenbedingungen, die eine Vereinbarkeit ermöglichen oder verbessern. Sie erleichtern Beschäftigten, eine Balance zwischen beruflichen und privaten Aufgaben zu schaffen. Sie sind Helfer. Sie bewegen etwas.

2. Familienbewusste Arbeitgeber sorgen für Ausgleich

Indem sie Familienbewusstsein als feste Größe in ihrem Wertesystem etablieren, generieren Arbeitgeber Mehrwerte – für sich und für die Beschäftigten. Sie gleichen Nachteile aus. Ein Beispiel: Der Vater eines Mitarbeiters wird unvorhergesehen zum Pflegefall. Der Mitarbeiter denkt darüber nach, seine Erwerbstätigkeit kurzfristig auszusetzen, bis er sich in Pflegefragen orientiert und die Pflege seines Vaters organisiert hat. Ein Nachteil für den Arbeitgeber und ggf. auch für den Beschäftigten, der z. B. aus laufenden Projekten aussteigen muss. Der Arbeitgeber, der pflegebewusste Angebote macht – z. B. in Form einer Notfallinformation zur Pflege und mit der Vermittlung eines Pflegeplatzes – verschafft dem Beschäftigten und sich die Chance, dass der Mitarbeiter in weiten Teilen seine Arbeit fortführen kann. Aus dieser Unterstützung folgt also ein Vorteil: Der Beschäftigte bleibt dem Arbeitgeber erhalten.

3. Familienbewusste Arbeitgeber erfahren Anerkennung

Arbeitgeber, die eine nachhaltige familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik verfolgen, werden in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen. Das Engagement dient sicherlich einem Selbstzweck – nämlich den, gut ausgebildete Beschäftigte und ihr Know-how zu binden sowie qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Dieser wird in der öffentlichen Wahrnehmung aber in der Regel von der Anerkennung des Einsatzes für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überlagert.

4. Familienbewusste Arbeitgeber werden zu Leuchttürmen 

Je passgenauer, umfassender und nachhaltiger Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben eines Arbeitgebers sind, umso mehr kann er sich von Mitbewerbern differenzieren. Werden zudem aktuelle Trends personalpolitisch aufgegriffen, erhält der Arbeitgeber eine Vorreiterfunktion. Nehmen wir den Megatrend der Individualisierung. Unternehmen, die individuelle Lebensentwürfe als Entscheidungs- und Motivationsparameter ihrer Beschäftigten erkennen und diese in die Gestaltung der Vereinbarkeitspolitik einfließen lassen, gehen aktiv voran und stärken damit zusätzlich ihre Arbeitgeberattraktivität.


[1] Status Quo der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in deutschen Unternehmen sowie betriebswirtschaftliche Effekte einer familienbewussten Personalpolitik, Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik (FFP), Münster und Berlin, 2013
[2] Qualitative Marktanalyse berufundfamilie, Regina von Diemer, Industrielle Psychologie (IP)/ Institut für Persönliche Qualität (IPQ), Königstein, 2015